Wer heute die Alte Schule Gohlis betritt, spürt schnell, dass dieser Ort mehr ist als ein Gästehaus. Seit fast 140 Jahren prägt das markante Gebäude das Leben im Dorf Gohlis und erzählt von Lernen, Gemeinschaft und Wandel.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1885. Bei einer Schulinspektion im benachbarten Cossebaude wurde deutlich, dass die dortigen Räume längst nicht mehr ausreichten. Die Kinder mussten teilweise sogar auf den Fensterbrettern schreiben. Für die Gemeinde Gohlis war klar: Das Dorf brauchte eine eigene Schule.

Noch im selben Jahr begann der Bau des neuen Schulhauses. Bereits am 30. April 1886 konnten 85 Mädchen und Jungen ihre neue Einklassenschule feierlich einweihen. Mit dem Anbau des westlichen Gebäudeteils im Jahr 1902 erhielt die Schule ihr heutiges Erscheinungsbild.
Generation um Generation lernte hier lesen, schreiben und rechnen. Anfang der 1920er-Jahre war aus der kleinen Dorfschule bereits eine Vierklassenschule geworden. Eine Besonderheit ihrer Zeit: Ab 1918 konnten die Schülerinnen und Schüler hier freiwillig die internationale Sprache Esperanto erlernen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Schule ein wichtiger Bildungsort für die Region.
Mit dem Ausbau zur zehnklassigen Oberschule wurden hier die Klassen 5 bis 10 unterrichtet. Erst 1978 endete nach 92 Jahren die Schulgeschichte des Hauses. Mit der Fertigstellung eines neuen Schulgebäudes in Cossebaude gingen die Kinder aus Gohlis wieder dort zur Schule.
In den folgenden Jahren stand das Gebäude leer und wurde als Lager für Katastrophenschutzmaterial genutzt. Die Bausubstanz verfiel langsam und auch der charakteristische Uhrenturm über dem Eingang konnte nicht erhalten werden.
Doch die Geschichte der Alten Schule war noch nicht zu Ende...
Ab 1998 wurde das denkmalgeschützte Gebäude umfassend saniert und behutsam umgestaltet. Seit der Eröffnung im Jahr 2000 heißt die Alte Schule Gohlis Menschen aus nah und fern willkommen: für Übernachtungen, Klassenfahrten, Seminare, Tagungen, Familienfeiern und gemeinsame Erlebnisse.
Dabei ist vieles geblieben: die schlichte historische Architektur, die Atmosphäre eines alten Lernortes und die Inschrift über dem Eingang. Noch heute begrüßt der Leitspruch „Lerne Weisheit, übe Tugend“ die Besucherinnen und Besucher. Er erinnert an die Geschichte des Hauses und wirkt zugleich erstaunlich aktuell und zeitlos.


Auch die Natur hat ihre Spuren hinterlassen. Die Elbe-Hochwasser der Jahre 2002 und 2013 setzten Keller und Erdgeschoss unter Wasser und machten erneut umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig.
Heute verbindet die Alte Schule Gohlis historische Substanz mit neuer Nutzung. Aus einem Schulhaus wurde ein Gästehaus. Wo einst Klassenräume waren, entstanden Gästezimmer, Tagungsräume und Orte der Begegnung. Die Geschichte des Hauses wird dabei nicht bewahrt wie ein Museumsstück, sondern sie lebt weiter, jeden Tag aufs Neue.